Montag, 29. März 2010
Bericht der Murrhardter Zeitung zum Thema Ökostrom
Stadt baut künftig auf Ökostrom. Empfehlung der Stadtverwaltung für den Bezug von günstigerem Strom erhält keine Mehrheit - Dietrich: Preisunterschied ist gering.
MURRHARDT (eke). Ein klares Zeichen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen mit Neuanlagenquote setzte der Gemeinderat beim Beschluss über die Ausschreibung des Strombedarfs für 20117 2012. Mit ganz knapper Mehrheit - Stimmengleichheit der Befürworter und Gegner- lehnte das Gremium die Empfehlung der Stadtverwaltung ab, preisgünstigeren Strom zu beziehen. Stattdessen stimmte es dem Antrag der MD/AL - Fraktion zu, am Los Ökostrom teilzunehmen. Da die Strompreise gesunken sind, nehmen Stadt und Stadtwerke 2011/2012 an der europaweiten Bündelausschreibung der GT-Service-Dienstleistungsgesellschaft des Gemeindetags Baden-Württemberg teil, erklärte der Erste Beigeordnete Rainer Braulik. Doch schlug er vor, nicht am Los Ökostrom teilzunehmen: „Ich halte grundsätzlich nichts davon, dafür Geld einzusetzen, da es von der Wirkung her woanders besser investiert ist." Denn die Stadtwerke investieren bereits einiges in regenerative Energien, auch stünden in wenigen Monaten Entscheidungen zum Einstieg in den Stromvertrieb an, was personell mit einem Dienstleister problemlos zu machen sei. Daher wolle sich die Verwaltung nicht mit einer zusätzlichen Aussehreibung belasten und auf den nach wie vor teureren Ökostrom verzichten. In Murrhardt soll mittelfristig möglichst lokal und regional erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen unter dem Dach der Stadtwerke angeboten und von den Verbrauchsstellen der Stadt abgenommen werden. Um diese große Aufgabe umsetzen zu können, sollten das dazu notwendige Kapital und die knappen personellen Ressourcen sinnvoll und zielgerichtet in Murrhardter Projekte fließen, betonte Braulik.. Doch Sabine Dietrich (MD/AL) stellte dagegen sofort den Antrag, am Los Ökostrom aus regenerativen Energiequellen teilzunehmen. Sie wies besonders auf die Neuanlagenquote hin: Mindestem 83 Prozent des während eines Kalenderjahres gelieferten Stroms muss aus Neuanlagen stammen. Der Preisunterschied sei gering, auch rechne man nach aktuellem Stand sogar mit günstigeren Preisen. Parallel dazu müsse man das Projekt „Murrhardt regenerativ" vorantreiben, stellte sie klar. Unterstützung bekam Dietrich von Gudrun Gruber (SPD): Man müsse ein Zeichen setzen, erklärte sie und bat darum, den Ökostrom beizubehalten. Dagegen betonte Wolfgang Hess (UL), seine Fraktion stimme dem Beschlussantrag der Stadtverwaltung zu. Andreas Winkle (CDU-FWV) erkundigte sich, ob bei Ökostrom günstigere Konditionen herauskämen. Doch konnten ihm dies weder Braulik noch Dietrich sagen. Denn der Preis hängt auch davon ab, wie viele Kommunen am Los Ökostrom teilnehmen. Klaus Lang (CDU/FWV) fand, sich vom Ökostrom zu verabschieden, sei fatal. Die Stadträte waren geteilter Meinung, was besser ist: Möglicherweise etwas mehr für Ökostrom zu bezahlen oder lieber sparen, um das Geld vor Ort zu investieren. Daher sprach sich das Gremium zwar unisono für die Stromlieferung über GT-Servlce aus, lehnte aber den Vorschlag der Stadtverwaltung ab und befürwortete den Bezug von Ökostrom.